Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Torfmoos

 

Mit landwirtschaftlichem Anbau von Torfmoosen Hochmoore und das Klima schützen

Torfmoose (Sphagnum) sind Pflanzen, die ideal an den nährstoffarmen, sauren Lebensraum im Hochmoor angepasst sind. Sie wachsen ausdauernd: Während die vom Wasser bedeckte Basis nach und nach abstirbt, wachsen die Pflänzchen nach oben weiter. Der abgestorbene Teil wird nicht vollständig zersetzt, aus ihm entsteht Torf. Im Laufe der Zeit wird die Torfdecke aus abgestorbenen Torfmoosen immer höher, ein Hochmoor bildet sich. Seit einiger Zeit untersuchen Forscher nun, ob und wie man Torfmoose in Paludikultur anbauen und nutzen kann. Der Begriff Paludikltur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) beschreibt die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore.
Eine Nutzungsmöglichkeit der Torfmoos-Biomasse ist die Herstellung von Pflanzerden. Aufgrund ihrer Eigenschaften eignen sich Torfmoose sehr gut für diesen Zweck. Sie könnten so torfhaltige Erden im Gartenbau ersetzen und damit einen Beitrag zum Schutz von Hochmooren leisten, in denen noch immer Torf abgebaut wird. In Deutschland werden die meisten ehemaligen Hochmoore – etwa 98 Prozent sind hierzulande entwässert – von Landwirten als Grün- oder Ackerland genutzt. Entwässerte Moore verwandeln sich jedoch von Kohlenstoffsenken zu Emittenten erheblicher Mengen an CO2 und Lachgas. Denn der Torf mineralisiert und setzt dabei große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von CO2 frei. Würden die Landwirte die Flächen wieder vernässen und dort Torfmoose anbauen, könnten sie ebenfalls ein Einkommen generieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.  Die Torfmoosflächen entwickeln außerdem mit der Zeit wieder einen gewissen „Moorcharakter“ - teilweise seltene, moortypische  Tier- und Pflanzenarten siedeln sich dort wieder an.

Die Universität Greifswald hat in ihrem Projekt „MOOSGRÜN“ zusammen mit Partnern auf einer wieder vernässten, zuvor als Grünland genutzten Hochmoorfläche bereits erfolgreich Torfmoose als Dauerkultur etabliert.  Im Projekt „MOOSWEIT“ geht es nun darum, die Erntetechnik zur Praxisreife weiter zu entwickeln. Außerdem wollen die Forscher untersuchen, wie gut sich die Torfmoose nach der Ernte regenerieren. Die Versuchsfläche wird von 4 auf 9 Hektar erweitert und soll auch zeigen, wie wirtschaftlich dieser Produktionszweig sein kann. Im ergänzenden Projekt „MOOSZUCHT“ schließlich züchten Wissenschaftler produktivere Torfmoose. Für einen großflächigen Anbau fehlt es derzeit noch an ausreichendem Torfmoos-Saatgut zur Kulturbegründung. Ziel von „MOOSZUCHT“ ist es daher auch, ein Verfahren zur Vermehrung von Torfmoos-Saatgut im Photobioreaktor zu entwickeln.

Weitere Informationen zu den Projekten finden Sie in der Projektdatenbank der FNR unter folgenden Förderkennzeichen:

Torfmoose (Foto: Greta Gaudig/Universität Greifswald)
Versuchsfläche mit Fahrdämmen und Torfmooskulturen (Foto: Greifswald Moor Centrum)
 
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
 
 
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