Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Wildpflanzen, Rainfarn

Rainfarn ist ein Naturtalent in Sachen Ertrag, Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz

Mehrjährige, blühende Biogas-Wildpflanzenmischungen wie die „BG 90“ der Saatgutfirma Saaten Zeller bieten Nahrung für Insekten, Deckung für Wildtiere und binden durch Humusaufbau CO2. Bei der Verwendung mehrjähriger Korbblütler (Asteraceae) besteht zudem ein hohes Bodenverbesserungspotenzial, denn Asteraceen enthalten in den Wurzeln einen sehr hohen Anteil Reservepolysaccharide, die die Mikrobiologie des Bodens aktivieren können. Schließlich zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich mit den Dauerkulturen ein niedriges Risiko zur Nitratauswaschung im Winterhalbjahr verbindet. In den nitratbelasteten Roten Gebieten, die im Zuge der neuen Dünge-Verordnung ausgewiesen werden, muss sich auch der Energiepflanzenanbau umstellen. Insbesondere hier, aber auch generell zur Auflockerung hoher Maisanteile sind die Dauerkulturen interessant. Bislang stand ihrer stärkeren Verbreitung in der Praxis allerdings noch der niedrigere Methanertrag im Wege. Die Trockenmasseerträge schwanken in normalen Jahren ohne Dürre zwischen 12 und 16 Tonnen pro Hektar, in Dürrejahren zwischen 9 und 14 t/ha. Nach Angaben des Netzwerks Lebensraum Feldflur liegt der Methanertrag der BG 90 bei 83,6 Normkubikmeter Methan pro Tonne (Mais: 98,9).

Zu bedenken ist aber, dass viele der Wildpflanzen in den Mischungen bislang noch nie züchterisch bearbeitet wurden und damit ein großes Potenzial zur Ertragssteigerung bieten. Dies will sich Saaten Zeller zu Nutze machen. Bereits 2016 begann man, gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), mit der züchterischen Bearbeitung einzelner Arten aus der Mischung. Besondere Erfolge stellten sich beim Rainfarn (Tanacetum vulgare) ein. Rainfarn ist eine Asteraceae und einer der Hauptbiomasselieferanten der Wildpflanzenmischung BG90. In der neuen Rainfarn-Linie ‚Goliath‘ konnte Saaten Zeller den Ertrag bereits um etwa 20 Prozent steigern. In einzelnen Parzellen erzielten die Züchter hochgerechnete Hektarerträge von bis zu 22 t Trockenmasse. Auch die in Batchversuchen erzielten spezifischen Biogaserträge von ‚Goliath‘ liegen deutlich über den für die BG 90 bislang bekannten Werten. Aber auch bei Beifuß, Eibisch und Wegwarte selektierten die Züchter ertragreiche Genotypen und konnten bei Rainfarn, Beifuß und Wegwarte auch bereits sogenannte polypoide Individuen erzeugen. Polyploide Pflanzen haben nicht, wie die meisten Tierarten und der Mensch, zwei, sondern bis zu zwölf Chromosomensätze pro Zelle. Für Züchter sind polyploide Pflanzen deshalb besonders interessant, weil sie in der Regel wuchskräftiger als ihre diploiden Verwandten sind.

Im nun gestarteten Folgeprojekt will Saaten Zeller neue Mischungen mit dem wüchsigen ‚Goliath‘ zusammenstellen und in der Praxis erproben. Dazu sollen die Mischungen in Kooperation mit Landwirten auf insgesamt 50 Hektar Fläche ausgesät werden. Bei den polyploiden Pflanzen gilt es, die Keimfähigkeit zu verbessern und weitere Individuen für die Saatgutvermehrung und für die Verbreiterung der genetischen Basis zu erzeugen. Auch massewüchsige einheimische Herkünfte von Steinklee, Eibisch, Herzgespann und Nachtkerze sollen vermehrt werden, um genug Saatgut für den Probeanbau zu erhalten. In Einzelschlagbilanzen und durch Messungen der Nmin-Werte wollen die Forscher zudem erfassen, wie gut die Mischungen Gärreste und sonstige organische Dünger umsetzen und wie viel auswaschungsgefährdetes Nitrat im Boden zurückbleibt.

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur, ein Zusammenschluss von Interessensverbänden aus den Bereichen Jagd, Naturschutz, Landschaftspflege, Imkerei und Energiewirtschaft, macht sich aktuell dafür stark, bundesweit gültige Förderinstrumente für Biogas-Wildpflanzen zu etablieren, sei es über die 1. oder 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (Eco-Schemes, Agrar-Umwelt-Maßnahmen, Vertragsnaturschutzprogramme) oder über eine mögliche Sondervergütungsklasse für ökologisch förderwürdige Substrate im Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Aktuelles Projekt "Erhöhung des Ertragspotentials heimischer Wildpflanzenmischungen unter Berücksichtigung von Biodiversität und Wasserschutz"

Vorläuferprojekt "Heimische Wildpflanzen als Grundlage zur Entwicklung ressourcenschonender Biomasseproduzenten (WaGBio)"

Rainfarn
Neu gezüchtete, ertragreiche Tanacetum-Linie ‚Goliath‘. Fotos: Saaten Zeller
Rainfarn
Neu gezüchtete, ertragreiche Tanacetum-Linie ‚Goliath‘. Fotos: Saaten Zeller
Natternkopf
Schwalbenschwanz auf Natternkopf (Echium vulgare) – einer von 21 Pflanzenarten in der BG 90-Mischung. Foto: Saaten Zeller
Echter Eibisch
Auch vom Echten Eibisch (Althea officinalis) wurden bereits ertragreiche Genotypen selektiert. Foto: Saaten Zeller

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