Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Pseudocerealien

Pseudoceralien für die Biogasanlage

Die Pseudocerealien (Pseudogetreide) Buchweizen, Quinoa und Amarant bilden wie Getreide stärkereiche Körner aus, gehören aber im Unterschied zu Getreide nicht zur Familie der Süßgräser. Die Körner der Pseudocerealien werden vornehmlich als Nahrungsmittel genutzt und sind glutenfrei, weswegen ihnen eine zunehmende Bedeutung zukommt.

Buchweizen

Fagopyrum esculentum Moench

Merkmale

Buchweizen gehört zur Familie der Knöterichgewächse. Er ist eine einjährige krautige Pflanze mit einer Pfahlwurzel und wird bis zu 60 cm hoch. Die Laubblätter haben eine herz- bis pfeilförmige Form, die Blüten sind etwa 3 bis 5 mm groß und blühen weiß bis rosafarben. Jede Blüte bringt eine Frucht hervor. Die Körner sind mehlhaltig. Ihre dreikantige Form erinnert an Bucheckern. Daher rührt wohl auch der Name Buchweizen.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Buchweizen-Arten kommen in Zentraleurasien und im östlichen Afrika natürlich vor. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Gebiet des heutigen Chinas, der Mongolei und Nepals. Im 13. und 14. Jahrhundert kam die Pflanze nach Europa. Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit war sie vor allem auf kargen Böden eine Getreidealternative. Buchweizen ist heute in weiten Teilen Russlands, der Ukraine, in Polen und Frankreich verbreitet und wird hauptsächlich als Nahrungsmittel verwendet.

Anbau

Aufgrund seiner Frostempfindlichkeit sollte Buchweizen nicht vor Mitte Mai gesät werden. Eine Aussaat als Sommerzwischenfrucht ist aufgrund seiner kurzen Entwicklungszeit bis Mitte Juli möglich. Die Ernte im Mähdrusch kann ab Mitte September eingeplant werden, die Erträge liegen bei 10 bis 30 dt Korn/ha. Soll Buchweizen als Ganzpflanze geerntet werden, sollte der TS-Gehalt > 28 % betragen. Bei Saattermin bis Ende Juni sind Trockenmasseerträge von 50 bis 80 dt/ha möglich.

Da Buchweizen schnell sehr dichte Pflanzenbestände bildet, wird er im ökologischen Landbau zur Unkrautunterdrückung eingesetzt. Als ökologisch vorteilhaft gelten zudem das reichliche Nektarangebot und seine lange Blühdauer.

Detaillierte Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz usw.) erhalten Sie u. a. über die Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Landesanstalten und in der FNR-Regionalbroschüre Bayern zum Energiepflanzenanbau.

Verwendung als nachwachsender Rohstoff

Ganzpflanze für die Biogasproduktion

Weitere Informationen

(FNR nach TFZ)

Quinoa

Chenopodium quinoa

Quinoa, auch Inkareis, Reismelde, Reisspinat oder Andenhirse genannt, stammt aus Südamerika. In der Andenregion ist Quinoa (gemeinsam mit Amarant) seit ca. 6.000 Jahren ein Hauptnahrungsmittel, das sich durch geringe Ansprüche an Boden und Wasser auszeichnet.

Die senfkorngroßen Samen haben eine getreideähnliche Zusammensetzung, daher wird Quinoa ebenso wie Amarant als glutenfreies „Pseudogetreide“ bezeichnet. Botanisch zählt Quinoa aber zu den Fuchsschwanzgewächsen (Amaranthaceae) und ist damit eher mit dem Spinat oder den Rüben verwandt. Zur Abreife im Herbst verfärbt sich die gesamte Pflanze leuchtend rot.

Quinoa zeichnet sich durch einen schnellen Wuchs und kurzen Entwicklungszyklus aus. Als weiteres Plus kommt die Unempfindlichkeit gegenüber Frühfrösten hinzu. Im Optimalfall kann die Pflanze bereits nach 100 Tagen als Ganzpflanze geerntet und zu Silage verarbeitet werden. Damit ist Quinoa wie auch Buchweizen dazu in der Lage, die Vegetationslücke bei ergänzenden Energieerträgen zur Biogasproduktion bis zur Fruchtfolge zu schließen bzw. zu verkürzen. Noch findet in Deutschland kein nennenswerter Anbau statt.

Merkmale

Quinoa ist eine einjährige krautige Pflanze und kann bis zu 1,50 m hoch werden. Die senfkorngroßen Samen haben eine getreideähnliche Zusammensetzung. Zur Abreife im Herbst verfärbt sich die gesamte Pflanze je nach Sorte leuchtend gelb, rot oder violett.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Quinoa (auch Inkareis oder Andenhirse genannt) stammt aus Südamerika, wo sie seit ca. 6.000 Jahren als Grundnahrungsmittel angebaut wird. Die Pflanze hat geringe Ansprüche an Boden und Wasser und wächst auch in den Höhenlagen der Anden. Das Hauptanbaugebiet ist dementsprechend bis heute Südamerika.

Anbau

Quinoa zeichnet sich durch einen schnellen Wuchs und einen kurzen Entwicklungszyklus aus. Eine Aussaat kann bereits ab Ende April erfolgen und ist mit dem Ziel Ganzpflanzenernte bis Mitte Juli möglich. Unter günstigen Umständen kann bereits nach 100 Tagen die Ganzpflanzenernte mit Feldhäcksler durchgeführt werden (Ziel-Trockensubstanz: 28 %). Die Kornernte findet im September statt. Als Ganzpflanze können 70 dt/ha Trockenmasse und im Mähdrusch 20 bis 30 dt/ha Körner geerntet werden.

Quinoa ist wie auch Buchweizen dazu in der Lage, die Vegetationslücke bei ergänzenden Energieerträgen zur Biogasproduktion nach Ganzpflanzengetreide zu schließen.

Noch findet in Deutschland kein nennenswerter Anbau statt.

Detaillierte Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz usw.) erhalten Sie u. a. über das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ Bayern), Landwirtschaftskammern und Landesanstalten für Landwirtschaft.

Verwendung als nachwachsender Rohstoff

Ganzpflanze für die Biogasproduktion

Weitere Informationen

(FNR nach TFZ)

Quinoa im Anbauversuch [Quelle: TFZ, Falko Stockmann]
Quinoa im Anbauversuch
[Quelle: TFZ, Falko Stockmann]

Amarant

(v.a.) Amarantus caudatus L., cruentus L., hybridus L., hypochondriacus L.

Merkmale

Amarant gehört wie Quinoa zu den Fuchsschwanzgewächsen und ist ebenfalls eine einjährige Pflanze, die bis über 2 m hoch werden kann. Am aufrechten Stängel sitzen wechselseitig angeordnete, gestielte Laubblätter. Der Blütenstand ist eine Rispe, die je nach Sorte unterschiedliche Farben und Formen annehmen kann. Als C4-Pflanze verfügt Amarant wie z. B. auch Mais oder Sorghum über eine effizientere Photosyntheseleistung und Wasserausnutzung als C3-Pflanzen (wie z. B. Getreide oder Zuckerrüben).

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Die Pflanze stammt aus den Andenhochländern Bolivien, Peru und Chile und ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit (seit ca. 5000 v. Chr.). Amarant ist aufgrund seiner wertvollen Eiweißzusammensetzung und hohen Mineralstoffgehalt ein wichtiges Nahrungsmittel. Heute sind die wichtigsten Anbaugebiete Südamerika, Russland und China. In Deutschland ist Amarant in wärmeren Regionen anbauwürdig.

Anbau

Amarant ist eine anspruchslose Kulturart, die auch auf kargen und relativ trockenen Standorten gut gedeiht. Wegen der ausgeprägten Kälteempfindlichkeit sind für eine rasche Bodenerwärmung eher leichtere Standorte zu bevorzugen. Zur Vermeidung von Frostschäden sollte die Aussaat nicht vor Anfang bis Mitte Mai erfolgen. Für eine weitestgehende, ausreichende Abreife mit möglichst hohen Trockensubstanzgehalten ist der Erntetermin möglichst spät, aber unbedingt noch vor Einsetzen der ersten Fröste, zu wählen.
Auf Basis der bisher durchgeführten Feldversuche kann für die Ganzpflanzennutzung ein Ertrag von etwa 90 bis 100 dt TM/ha abgeleitet werden. Amarant ist grundsätzlich auch für die Körnerernte geeignet.

Insgesamt wird der Pflanze Potenzial zugesprochen, allerdings ist eine züchterische Bearbeitung erforderlich, um einen Praxisanbau unter den hiesigen klimatischen Bedingungen durchführen zu können. Als Ko-Substrat in Biogasanlagen könnte Amarant aufgrund des hohen Gehalts an Spurenelementen (u.a. Kobalt, Nickel, Molybdän, Kupfer) eine gewisse Bedeutung erlangen.

Detaillierte Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz usw.) erhalten Sie u. a. über die Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Landesanstalten sowie in der FNR-Broschüre "Energiepfalnzen für Biogasanlagen - Regionalbroschüre Bayern".

Verwendung als nachwachsender Rohstoff

Ganzpflanze für die Biogasproduktion

(FNR nach TFZ)

Weitere Informationen

 

Eignung von Buchweizen und Quinoa als späte Zweitfrüchte für die Biogasnutzung

Das BMEL förderte über die FNR ein Vorhaben, um belastbare Daten zum Zweitfruchtanbau von Buchweizen und Quinoa zu generieren. Dazu wurden vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in einem dreijährigen Feldversuch Buchweizen- und Quinoasorten zu zwei Saat-Terminen im Juni an zwei Standorten ausgesät und mit Referenzkulturen (Einjähriges Weidelgras und Sommerroggen) verglichen.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass der Anbau von Buchweizen und Quinoa als Biogassubstrat erfolgsversprechend ist. Zudem könnte ein stärkerer Anbau von Buchweizen und Quinoa die Akzeptanz des Energiepflanzenbaus verbessern, ohne für den Landwirt hohe wirtschaftliche Einbußen zu bedeuten. Weitere Informationen zum Projekt und den Ergebnissen finden Sie im Abschlussbericht zum Vorhaben und im Band 39 der Schriftenreihe "Berichte aus dem TFZ".

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Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
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