Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Mistel

 

Mistel (Viscum album L.)

Mistel wird als Arzneipflanze zu einer Vielzahl von Arzneimitteln verarbeitet. Zurzeit befinden sich 16 Phytopharmaka und 28 Homöopathika auf dem Markt. Mit Mistel werden nicht nur abnutzungsbedingte entzündliche Gelenkserkrankungen behandelt, sie lindert auch die Schmerzen bei bösartigen Tumoren und hat positive Auswirkungen auf die Psyche.

Synonyme
Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Affolter, Bocksbutter, Drudenfuß, Elfklatte, Geißkrit, Guomol, Immergrüne, Laubholz-Mistel, Leinmistel, Mistelsenker, Vogelmistel

Biologie
Die Mistel gehört zur Familie der Mistelgewächse (Loranthaceae). Es handelt sich um einen hohen immergrünen, halbschmarotzenden Strauch, der Bäume als Wirtspflanze nutzt. Je nach Wirtspflanze unterscheidet man die Laubholzmistel, die auf allen europäischen Laubbäumen mit Ausnahme der Buche wächst, bevorzugt aber auf Apfelbäumen und Pappeln, die Tannenmistel auf Weißtannen und die Kiefernmistel auf Kiefern, Lärchen und gelegentlich auf Fichten. Die Mistel entnimmt der jeweiligen Wirtspflanze zwar Wasser und Mineralsalze, ist jedoch zur Kohlendioxidbindung im Zuge der Photosynthese befähigt. Bei der ca. 1 m hohen Mistel sind männliche und weibliche Pflanzen zu unterscheiden. Die Blätter sind ledrig und lanzettförmig, die unscheinbaren gelblichgrünen Blüten werden zwischen März und Mai gebildet. Im Spätherbst bildet die Mistel Samen in klebrigen weißen Beeren, die durch Vögel, insbesondere Drosseln, auf neue Wirtspflanzen übertragen werden. Die Vögel streifen die an ihren Schnäbeln klebenden Samen an den Baumästen ab und übertragen Samen auch über den Vogelkot. Ist der Samen auf der Rinde gekeimt, bilden sich eine Haftscheibe und eine primäre Senkwurzel, die bis an das Holz reicht. Waagerechte Wurzeln bilden sich in die Rinde, die dann wiederum Senker in das Holz treiben. Die Senker, die sich während des Dickenwachstums der Wirtspflanze verlängern, werden von dem Gewebe der Wirtspflanze umwachsen. Die Mistel kann bis zu 50 Jahre alt werden.

Vorkommen
Die Mistel ist in Europa und Asien heimisch. Für die Herstellung von Arzneimitteln wird sie in den Balkanländern, Russland und der Türkei gesammelt.

Anbau
Da die Mistel selbst nicht angebaut werden kann, bringt man die Samen auf Wirtspflanzen aus. Bislang ist die Anzucht der Mistel auf Apfelbäumen, Pappeln und Ulmen gelungen. Da einzelne Bäume auf Mistelbefall ganz unterschiedlich reagieren, empfiehlt es sich, für die Kultivierung Abkömmlinge von Bäumen zu wählen, die selbst von Misteln befallen sind. In jedem Fall dauert das Wachstum der Bäume mehrere Jahre. Die samenhaltigen Beeren werden auf den Ästen der Wirtsbäume – bevorzugt den Astunterseiten – zerdrückt und beginnen nach Abtrocknen im März/April zu keimen. Die Mistel wächst langsam; innerhalb von 5 bis 6 Jahren wird ein Strauchdurchmesser von ca. 30 cm erreicht.

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile
Für die Produktion von Phytopharmaka wird das Mistelkraut, bestehend aus Stängeln, Blättern und Früchten, verwendet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Visci albi herba bezeichnet.

Inhaltsstoffe

  • Lectine
  • toxische Polypeptide (Viscotoxine) von geringem Toxizitätspotenzial
  • Viscumproteine
  • Flavonoide
  • biogene Amine
  • Phenylpropanderivate
  • Lignane

Zubereitungen
Mistel ist nicht nur als Pulver oder Presssaft erhältlich, auch Tinkturen, Auszüge oder Extrakte sind gebräuchlich, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Mistelkrauts mit einem wässrigen, wässrig-alkoholischen oder öligen Extraktionsmittel gewonnen werden.

Pharmakologische und medizinische Wirkung
Mistel ist nicht nur in Tropfen, Säften und Tabletten enthalten, sondern auch in Injektionen, die verhindern, dass bestimmte Wirkstoffe bei Aufnahme über Mund und Darm zerstört werden. Über Injektion in die Haut werden laut Kommission E beispielsweise abnutzungsbedingte entzündliche Gelenkerkrankungen behandelt. Mistelinjektionen können zwar bösartige Tumore nicht heilen, aber die damit verbundenen Schmerzen lindern und die Psyche sowie das Befinden der Betroffenen positiv beeinflussen. Pharmakologische Untersuchungen bestätigen der Mistel, dass sie das Immunsystem stimuliert und eine zelltoxische Wirkung auf verschiedene Arten von Krebszellen hat. Injektionen wirken schließlich auch blutdrucksenkend. Sie können jedoch mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Herz-und Kreislaufstörungen, allergischen Reaktionen sowie Entzündungen der Haut auch starke Nebenwirkungen verursachen. Bei Eiweißüberempfindlichkeit dürfen sie gar nicht angewendet werden. Im Allgemeinen sind mistelhaltige Phytopharmaka jedoch gut verträglich.

Mistel (Viscum album L.)
Foto: Mistel (Viscum album L.), Fotolia
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