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Lavendel

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Lavendel ist dank seiner markanten Erscheinung und seines intensiven Duftes eine der bekanntesten und beliebtesten Gartenpflanzen. Lavendelduft ist u.a. Bestandteil von Parfüms, Seifen oder Weichspülern. Die getrockneten Blüten nutzt man als Füllung für Duftsäckchen zur Schädlingsabwehr. Ein beliebtes Motiv sind auch die leuchtend violetten Lavendelfelder in Südfrankreich. Als Arzneipflanze hat das Gewächs eine jahrhundertealte Tradition. Aber erst seit dem späten 19. Jahrhundert hat sich Lavendel als Mittel gegen nervöse Zustände und Schlaflosigkeit etabliert.

2020 ist der Echte Lavendel die Arzneipflanze des Jahres.

Synonyme
Lavander, Kleiner Speik

Biologie

Echter Lavendel ist eine von rund 40 Arten der Pflanzengattung Lavandula. Der ausdauernde Halbstrauch wird nur etwa 40 bis 60 cm hoch, kann aber eine Pfahlwurzel von bis zu 4 Meter Länge bilden. Die Stängel und Blätter sind graugrün, die unteren Teile verholzen. Die von Ende Juni bis Mitte Juli erscheinenden Blüten sind blau bis violett, manchmal auch weiß, und sondern reichlich Nektar ab.

Vorkommen

Lavendel ist eine besonders licht- und wärmeliebende, trockentolerante Pflanze, die aus Südosteuropa und dem Mittelmeerraum stammt. Dort kommt sie bis in 1.700 Meter Höhe vor. Entsprechend kann Lavendel auch an trockenen, südlichen Berghängen kultiviert werden, für einen wirtschaftlichen Anbau sollte aber eine gewisse Untergrundfeuchtigkeit vorhanden sein. Auch Winterfröste kann er gut überstehen, Spätfröste im Frühjahr stellen hingegen eine Gefahr dar.

Anbau

Die Vermehrung ist durch Aussaat oder Stecklinge möglich. Für die Aussaat ist der November ein geeigneter Monat, da die Samen einen Kältereiz zum Keimen benötigen. Es ist auch eine künstliche, drei- bis vierwöchige Kältebehandlung bei Minustemperaturen möglich. Mit 5 bis 9 kg Saatgut lassen sich im Frühbeet 500.000 bis 800.000 Sämlinge produzieren. Bei den heranwachsenden Pflanzen ist ein mehrfacher Rückschnitt erforderlich, um kräftige und gut verzweigte Sämlinge für die Herbstpflanzung zu erzeugen. Diese erfolgt von Mitte September bis Ende Oktober. Für einen Hektar benötigt man zwischen 10.000 und 20.000 Jungpflanzen.

Stecklinge werden als 15 bis 18 cm lange Triebspitzen von den Mutterpflanzen Anfang April geschnitten, 5 bis 8 cm tief gesteckt und ab einer Wuchshöhe von 12 bis 15 cm ca. einmal monatlich zurück geschnitten. Im September sind sie zur Auspflanzung bereit.

Lavendel hat zwar einen relativ geringen Nährstoffbedarf, für einen ökonomischen Anbau bedarf er aber dennoch einer regelmäßigen Düngung. 70 bis 90 kg N, 70 bis 90 kg P und 100 bis 120 kg K pro Hektar im zeitigen Frühjahr oder Herbst sind optimal, höhere N-Gaben können zu Überdosierung mit Mindererträgen führen. Zusätzlich sollte vor der Pflanzung eine Startdüngung erfolgen, wichtig ist außerdem ein guter Kalkgehalt des Bodens.

Krankheiten oder Schädlinge kommen im Lavendel zwar vor, spielen aber keine große Rolle.

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

Als Blütendroge dienen die vor der Vollblüte geernteten und getrockneten Blüten. Für die Gewinnung des ätherisches Öls werden für die Destillation die frischen Blüten in der Vollblüte geerntet.

Inhaltsstoffe

Frische Lavendelblüten haben einen Anteil von 0,5 bis 3 Prozent ätherisches Öl. Das Lavendelöl enthält als Hauptkomponente 30 bis 60 Prozent R(-)-Linalylacetat und 20 bis 50 Prozent Linalool.

Weitere Komponenten sind Terpinen-4-ol, α-Terpineol, Kampfer, 1,8-Cineol, Limonen, Lavandulol und Lavandulyl-Acetat.

Zubereitungen

Die Darreichungsformen reichen von Kapseln über Teemischungen und Inhalationspräparate bis hin zu Badezusätzen oder Kräuterkissen. Lavendelöl spielt eine Rolle in der Aromatherapie, dort wird es zum Beispiel in Massagen oder als Inhalat angewendet und gilt als beruhigend und angstlösend.

Pharmakologische und medizinische Wirkung

Als pharmakologisch bewiesen gelten die krampflösenden, nervenschützenden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkungen des Lavendelöls. Inzwischen kann auch ein harntreibender und blutzuckersenkender Effekt des Öles als erwiesen gelten und eine begleitende Rolle in der Krebstherapie, etwa zur Behandlung von Nebenwirkungen der Tumorbestrahlung, ist dokumentiert.

In der Praxis kommt Lavendelöl vor allem bei nervöser Erschöpfung gegen Schlafstörungen, Unruhe und nervöse Darm- und Bauchbeschwerden zur Anwendung. Die angstlösende Wirkung des Linalools im Lavendelöl wurde in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Seine Aufnahme ist offenbar an den Geruchssinn gebunden. Linalool dockt dabei an die gleichen Rezeptoren des Zentralnervensystems an wie Benzodiazepine, hat aber nicht das Abhängigkeitspotenzial dieser starken Beruhigungsmittel.

Quellen

Hoppe. B. (Hrsg.): Handbuch des Arznei- und Gewürzpflanzenbaus, Band 5: Arznei- und Gewürzpflanzen L - Z. Erschienen 2013 im Eigenverlag Saluplanta e.V. Bernburg. ISBN 978-3-935971-64-5

www.deutsche-apotheker-zeitung.de, Artikel „Entspannt und mutig durch Lavendel“ vom 01.11.2018, abgerufen am 03.03.2020 (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel)

Lavendel. ©Scisetti Alfio - stock.adobe.com
Lavendel. ©Scisetti Alfio - stock.adobe.com

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