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Bitterer Fenchel

Bitterer Fenchel (Foeniculum vulgare MILL.)

Während Gewürzfenchel, auch Süßer Fenchel (Foeniculum vulgare var. dulce) genannt und Knollen- bzw. Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum) dem Verzehr dienen, ist der Bittere Fenchel (Foeniculum vulgare ssp. vulgare, Foeniculum vulgare var. vulgare) für die Arzneimittelherstellung von Bedeutung. Rund 12 fenchelhaltige Präparate werden zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Synonyme
Gartenfenchel, Langer Kümmel, Fenikel, Brotsamen, Brotwürzkörner, Brotanis, Finchel, Fennekel, Fennichl, Fennkol

Biologie
Bitterer Fenchel gehört zur Familie der Doldengewächse (Apiaceae, Umbelliferae). Es handelt sich um eine zweijährige bis ausdauernde, 1 bis 2 m hohe Staude mit einer tiefen Pfahlwurzel. Der Stängel ist blaugrün bereift, rund und gefurcht, die Laubblätter sind stark befiedert. Die gelben Blüten sind zur Dolde angeordnet und werden im Juli bis Oktober (1. Jahr) bzw. Juni bis Juli (2. Jahr) getrieben. Die graugrünen bis gelbbraunen Spaltfrüchte sind 4 bis 10 mm lang.

Vorkommen
In seiner wilden Form kommt Fenchel hauptsächlich an trockenen Plätzen, Felshängen und alten Mauern Südeuropas vor. Für die pharmazeutische Nutzung wird er gezielt auch in Deutschland angebaut. Die Hauptanbaugebiete sind jedoch Osteuropa, die Mittelmeerländer, Indien, Ägypten, Pakistan, China und Argentinien.

Anbau
Der Anbau von Bitterem Fenchel sollte auf früh und schnell abtrocknenden und nicht zu Verkrustung neigenden Böden erfolgen, da Fenchel im ersten Jahr für einen guten Ertrag bereits im März ausgesät werden muss. Weiterhin sind humose, tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit geringem Unkrautaufkommen zu bevorzugen. Gebiete mit warmen und trockenen Spätsommer- und Herbstmonaten eignen sich besonders für den Fenchelanbau, da dies eine frühe Abreife ermöglicht. Bitterer Fenchel hat aufgrund der ausgeprägten Krautbildung einen hohen Wasserbedarf. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile
Phytopharmaka werden aus den Fenchelfrüchten und dem darin enthaltenen Fenchelöl hergestellt. Die getrockneten Früchte (Droge) werden lateinisch als Foeniculi amari fructus, das Fenchelöl wird als Foeniculi aetheroleum bezeichnet.

Inhaltsstoffe
Fenchelfrüchte:

  • ätherisches Öl mit Anethol, Fenchon und einem maximalen Estragolgehalt von 5 %
  • Flavonoide
  • organische Säuren
  • fettes Öl

Fenchelöl:

  • Anethol
  • Fenchon
  • etwas Estragol, a-Pinen, Monoterpene

Zubereitungen
Neben Tees und Tinkturen aus Fenchel und Fenchelöl gibt es heute auch Tabletten und Dragees. Sie enthalten Fenchelextrakte, die durch Auszug der Fenchelfrüchte mit alkoholischen Extraktionsmitteln gewonnen werden.

Pharmakologische und medizinische Wirkung
Mit Fenchel sorgt man traditionell nicht nur für Schleimlösung im Bereich der Atemwege, er ist auch Bestandteil von Milchbildungstees für stillende Mütter. Haupteinsatzgebiet sind jedoch Magen- und Darmbeschwerden, denn Fenchel fördert die Verdauung und wirkt Gasbildung, Völlegefühl und Magendruck entgegen. Auch gegen Blähungen hilft Fencheltee. Die Kommission E empfiehlt eine Tagesdosis von 5 bis 7 g Fenchelfrüchte bzw. die entsprechende Extraktmenge. Fenchelhaltige Phytopharmaka zeigen zwar kaum Nebenwirkungen, der Estragolgehalt der Fenchelfrüchte darf jedoch maximal 5 Prozent betragen, da für Estragol eine krebsauslösende Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann.

Bitterer Fenchel (Foeniculum vulgare Mill.)
Foto: Bitterer Fenchel (Foeniculum vulgare MILL.), Fotolia
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Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
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