Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Wildpflanzen

Mehrjährige Saatgutmischungen mit Wildpflanzen für die Biogasproduktion

Mehrjährige Blühpflanzenmischungen mit Wildpflanzen für Biogasanlagen versprechen die Verbindung von Ökonomie und Ökologie auf einer Fläche: Sie ermöglichen dem Landwirt ein Einkommen und bieten gleichzeitig Nahrung und Deckung für Insekten, Vögel, Fledermäuse und Wildtiere. Für Wildschweine sind sie hingegen nicht attraktiv und verringern so, verglichen mit Mais, das Risiko von Wildschäden. Auch für den Grundwasserschutz bringen die Dauerkulturen großes Potenzial mit, das haben Untersuchungen gezeigt: Da sie nach der Ernte weiterwachsen, sind reduzierte Nmin-Gehalte die Folge. Zudem ist der Düngerbedarf deutlich geringer als bei einer Maisfruchtfolge, eine Düngung über 120 kg N/Jahr bringt keine Ertragssteigerung.

Die Erträge fallen je nach Standort, Düngergaben und Witterung sehr unterschiedlich aus. Beispiele  für Praxiserträge sind in dieser Tabelle zusammengafsst, generelle Angaben finden sich im Text bei den vorgestellten Mischungen.
 

Veitshöchheimer Hanfmix. Foto: Agrokraft GmbH
Veitshöchheimer Hanfmix. Foto: Agrokraft GmbH

Die Idee, mehrjährige, wildartenreiche Pflanzenmischungen für die Biogasproduktion einzusetzen, entstand an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim (LWG). Seit den 90er Jahren entwickelten Mitarbeiter dort ökologische Saatgutmischungen, die im Rahmen landwirtschaftlicher Förderprogramme zunächst vor allem auf Stilllegungsflächen ausgesät wurden. Dabei fiel das hohe Biomassepotenzial einiger Arten auf und der Gedanke, den Aufwuchs für die Biogasproduktion zu nutzen, war geboren. Zwischen 2008 und 2015 sichtete die LWG dann in zwei vom BMEL geförderten Projekten geeignete Arten, erprobte verschiedene Mischungen und optimierte das Anbauverfahren (Projekt Phase I, Projekt Phase II). Aus diesen Projekten ist auch die von der Firma Saaten Zeller angebotene und weiterentwickelte Wildpflanzenmischung BG 90 (Sommeransaat) hervorgegangen.

Bis heute wird die Entwicklungsarbeit fortgesetzt. Aktuell tüfteln die LWG-Forscher an der sog. Präriemischung mit vorwiegend nordamerikanischen Arten, die ab dem 2. Jahr besonders spät (zeitgleich mit Mais) geerntet werden kann.

Bei der Firma Saaten Zeller arbeitet man seit 2016 daran, den Ertrag der ursprünglichen Wildpflanzenmischungen kontinuierlich weiter zu erhöhen. Dies geschieht durch züchterische Bearbeitung der wichtigsten Biomasseträger innerhalb der Mischungen (Projekt WaGBio). 

Auf dem Markt bereits erhältlich sind der Veitshöcheimer Hanfmix der LWG und die Biogasmischung BG 90 der Firma Saaten Zeller:

Veitshöchheimer Hanfmix. Foto: Agrokraft GmbH

Veitshöchheimer Hanfmix: Üppig und langanhaltend blühende, insekten-optimierte Mischung aus Wild- und Kulturpflanzenarten. Für einen guten Ertrag im ersten Jahr sind Faserhanf und Schmuckkörbchen enthalten, als zweijährige Arten u. a. Große Klette und Gelber Steinklee und als mehrjährige Arten u. a. Stockrose, Herzgespann, Wiesen-Bärenklau, Wegwarte und Muskatellersalbei. Insgesamt beinhaltet die Mischung 30 Arten. Der Erntezeitraum wurde durch den Einsatz von langsam reifenden Arten verlängert.

Der Veitshöchheimer Hanfmix beginnt Ende Mai zu blühen und erreicht die höchste Blütendichte Anfang bis Mitte Juli. Durch seine lockere Struktur lässt er auch Ackerwildkräutern und Ruderalarten Platz. Als Frühblüher ab ca. Mitte April hat die LWG je nach Bodenqualität z. B. Löwenzahn, Ackerhellerkraut und Rote Taubnessel dokumentiert. Viele Wildbienen benötigen eine solche frühe Trachtquelle.

Anbau: Aussaat Mitte bis Ende Mai, Saatstärke 10 kg/ha. Rührwelle der Sämaschine ausschalten, um Entmischung groß- und kleinkörniger Sämereien zu vermeiden. Aussaat unbedingt auf die Bodenoberfläche (Sähschare und Striegel ganz ausheben), da viele der äußerst feinkörnigen Wildkräuterarten Lichtkeimer sind. Bei sehr lockeren Böden empfiehlt sich ein Walzen der Fläche vor und nach der Saat. Die Mischung ist für trockene Standorte sehr gut geeignet!

Wichtig: Aufgrund des Hanfanteils muss der Anbau bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angemeldet werden.

Ertrag: Die LWG gibt eine Spanne von 5 t/ha bis 25 t/ha Trockenmasse bei einer Biogasausbeute von 225-280 NI/kg o TM an. Damit kann der Trockenmasseertrag des Hanfmix unter günstigen Rahmenbedingungen in einem ähnlichen Bereich wie bei Silomais liegen, die Biogasausbeute fällt hingegen nur etwa halb so hoch aus.
Quelle: https://www.biogas-forum-bayern.de/media/files/0004/2018-12-lwg-hanfmix.pdf

Veitshöchheimer Hanfmix. Foto: Agrokraft GmbH
Veitshöchheimer Hanfmix. Foto: Agrokraft GmbH

Wildpflanzenmischung BG 90

Um die Ausbreitung potentiell invasiver Pflanzenarten zu verhindern, werden in der Wildpflanzenmischung BG 90 ausschließlich heimische Wildpflanzenarten verwendet. Die Bestände bieten im Sommer und im Winter Nahrung und Deckung für Wildtiere. Die Mischung enthält zahlreiche für Insekten wichtige Pflanzenarten, z.B. Rainfarn (Tanacetum vulgare), Wegwarte (Cichorium intybus) und Natternkopf (Echium vulgare), die eine lange Blütezeit garantieren.

Die Wildpflanzenmischung BG 90 wird im Sommer nach frühräumenden Kulturen ausgebracht, die Aussaatstärke beträgt 10 kg auf den Hektar. Am besten erfolgt die Aussaat mit der sogenannten Direktsaattechnik. Dabei kann bis max. 1 cm tief (Lichtkeimer!) direkt in die Stoppel gesät werden. Die Mischung bringt im Ansaatjahr keinen nutzbaren Biomasseertrag, dieser wurde jedoch über die Vorkultur erzielt. Je nach Standort und Düngung erzielen Landwirte jährliche Erträge von 11 – 18 t Trockenmasse pro Hektar. Bei intensiver Bestandsführung sind noch höhere Erträge möglich. In dem vom BMEL geförderten Projekt „Heimische Wildpflanzen als Grundlage zur Entwicklung ressourcenschonender Biomasseproduzenten (WaGBio)“ (Link) wurde die Tanacetum-Linie „Goliath“ entwickelt. Mit ihr sind ähnliche Biomasseerträge wie bei Silomais erreichbar.

Saaten Zeller-Mischung BG 90. Foto: Saaten Zeller - Walter Bleeker

Wildpflanzen – Option für Dürrejahre?

Mehrjährige Wildpflanzenmischungen könnten eine Option sein, die negativen Effekte von Klimaschwankungen und Wetterextremen auf den Maisanbau abzupuffern. So stellte sich bei einem Ringversuch in Bayern (2011 bis 2015, acht Standorte) heraus, dass in schlechten Maisjahren (2013 und 2015 gab es deutschlandweit schlechte Maiserträge) ältere, gut verwurzelte Wildpflanzenbestände ertragsmäßig dem Mais sehr nahe kamen oder ihn in Einzelfällen sogar übertreffen konnten. Die Vermutung liegt nahe, dass die Dauerkulturen mit Wetterextremen und dem Klimawandel besser zurechtkommen als einjährige Kulturen.
Quelle: www.lwg.bayern.de/mam/cms06/landespflege/dateien/energie_aus_wildpflanzen_bluehmischungen_biogas.pdf

Ausbreitungsrisiko der Samen auf andere Flächen

In einem vom BMEL geförderten Projekt wurde das Risiko untersucht, über die Gärprodukte Wildpflanzensamen auf andere Flächen zu verbreiten. Die Universität Rostock und das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) fanden heraus, dass ein solches Ausbreitungsrisiko vor allem mit hartschaligen Samen verbunden ist. Steinklee- und Malvenarten haben hartschalige Samen, die eine mesophile Vergärung und 12-wöchige Lagerung im Gärrest unbeschadet überdauern können. Gärreste aus Standjahren mit hohen Malven- und Steinklee-Anteilen sollten deshalb nur mit Bedacht auf andere Flächen ausgebracht werden. Link

Weitere Informationen zum Thema:

Neues FNR-Saattütchen mit Veitshöchheimer Hanfmix (ohne Hanf). Abb.: FNR

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