Pflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Steinklee

 

Melilotus

Merkmale

Zur Gattung Steinklee (auch Bokharaklee, engl. sweet clover und russ. Donnik genannt) gehören in Eurasien mehr als 20 Arten. Er kommt vorrangig als zweijährige Form vor und wächst im zweiten Jahr buschartig mit mehreren gleichberechtigten Sprosstrieben, an denen die Laubblätter (Fiederblätter) wechselständig angeordnet sind. Steinklee blüht in end- und seitenständigen, vielblütigen Trauben, der Weiße Steinklee (Melilotus albus) weiß, der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) gelb. Steinklee hat eine kräftige Pfahlwurzel mit stickstoffbindenden Wurzelknöllchen und kann Wuchshöhen bis zu 200 cm erreichen.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Steinklee ist in den kontinentalen Gebieten Eurasiens beheimatet und als Kulturpflanze seit dem 18. Jahrhundert weltweit verbreitet. Wie der Name sagt, bevorzugt er steinige Standorte und liebt basenreichen, kalkreichen oder leicht salzigen Boden. Steinklee wächst verbreitet in sonnigen Unkrautfluren, an Wegen, in Steinbrüchen, an Ufern und Schuttplätzen. Wirtschaftlich wurden in Mitteleuropa und in Regionen vergleichbarer Klimabedingungen mit dem Gelben und dem Weißen Steinklee zwei Arten der Gattung Melilotus genutzt. Der Gelbe Steinklee galt in Europa seit dem Altertum als Heilpflanze.

Heutige Nutzungsmöglichkeiten des Steinklees 

In den 1930er bis 1960er Jahren wurde Steinklee international beforscht und genutzt. Etwa ab den 1970er Jahren spielte die Pflanze in der Landwirtschaft kaum noch eine nennenswerte Rolle. Die wenig abwechslungsreichen Fruchtfolgen in der Agrarlandschaft und der starke Anbau von Silomais für nachwachsende Rohstoffe zogen einen Rückgang der Biodiversität auf den und um die Anbauflächen mit sich. Eine Aufweitung der Energiepflanzenfruchtfolge durch den Anbau von Steinklee als Energiepflanze mit guten bodensanitären Eigenschaften ermöglicht eine Steigerung der Biodiversität auf der Fläche. Das starke Pfahlwurzelsystem des Steinklees vermag Verdichtungen im Boden aufzubrechen. Die gute Oberbodendurchwurzelung beugt Erosion vor und kann so dem Verlust von fruchtbarem Ackerboden entgegen wirken. Die Fixierung von Luftstickstoff durch Knöllchenbakterien an den Wurzeln ermöglicht es, die mineralischen Stickstoffdüngung in der Nachfrucht zu reduzieren. Der zweijährige Steinklee bildet ein stärkeres Wurzelsystem aus als der einjährige und kann bei früher Aussaat schon im ersten Jahr als Biogassubstrat genutzt werden. Ein- und zweijähriger Steinklee unterscheiden sich nicht durch die Blütenfarbe, sondern durch die Herkunft. Der Weiße Steinklee gilt jedoch als wüchsiger, der gelbe dafür als trockenheitstoleranter. Die Nutzung als Biogassubstrat schließt die Nutzung als Bienenweide aus, da der Biomasseschnitt in beiden Jahren vor der Blüte erfolgt. Eine kombinierte Nutzung als Biogassubstrat und Bienenweide ist jedoch möglich, wenn Teile des Steinklees auf der Fläche verbleiben und zur Blüte kommen können.

Nach der Blüte stirbt der Steinklee ab und kann als Gründünger genutzt werden. Der Cumaringehalt des Steinklees steht der Eignung als Futtermittel entgegen. Eine Anmeldung als Ökologische Vorrangfläche im Sinne des Greenings (Kategorie "Flächen mit stickstoffbindenden Pflanzen") ist möglich.

Anbau

Steinklee ist eine relativ anspruchslose Pflanze, die mit geringen Bodenqualitäten zurechtkommt und nässe- und trockentolerant ist. Zudem hat Steinklee einen sehr guten Vorfruchtwert und bietet eine hervorragende Bienenweide.
Die Aussaat erfolgt am besten als Reinsaat im Frühjahr, aber auch Untersaaten in früh räumende Deckfrüchte sind möglich. Je nach Aussaattermin kann ein- bis zweimal pro Jahr geerntet werden. Der erzielbare Biomasseertrag einer Frühjahrsblanksaat liegt im Ansaatjahr zwischen 25 und 80 dt Trockenmasse/ ha und im Hauptnutzungsjahr zwischen 100 und 150 dt Trockenmasse/ ha.
Detaillierte Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz usw.) erhalten Sie u. a. über die FNR-Regionalbroschüre zum Energiepflanzenanbau Mecklenburg-Vorpommern und unter `Weitere Informationen`am Ende dieser Seite

Verwendung als Nachwachsender Rohstoff

Substrat für Biogasanlagen

Sonstige Nutzungen:
Gründünger
Ökologische Vorrangfläche im Rahmen des Greening
Bienenweide

Weitere Informationen

• Anbautelegramm Steinklee
• Nutzung von Steinklee
• Wildbienen & Steinklee
• Jahresbericht LFA 2017, S.36

 

Autorinnen: Bull, I. & Schneider, J., Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern

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